Upgrade your Ego

Wo uns die Kapitaleinlage in den Schuhen drückt

404 Mitwirkende – alle haben etwas zu sagen, kaum einer wird je gesehen: Unter der Regie von Christian Schmidt entwickeln das Ensemble ein Stück zusammen mit wildfremden Menschen aus den weiten des Internets. Mit Zitaten, Geschichten, Berichten: aus Fragmenten, Fundstücken und Fallstudien entsteht auf der Webseite opensource.die-buehne.net ein Netz von Assoziationen; Gedachtes und Gesagtes wird dann vom Ensemble weiterentwickelt, interpretiert, inszeniert.

Alles dreht sich dabei um den Kapitalismus – doch wir denken nicht die Kreditkrise (Krise? Welche Krise?). Die großen Zahlentheoretiker, Zocker, Zentralbänker interessieren nur am Rande – stattdessen verorten vier Menschen, allesamt kleine Rädchen im System, ihre Position im großen Uhrwerk, suchen nach der Triebfeder ihres Handelns und geraten dabei von der Rolle.

Wir sind Kapitalisten.

Wir alle. Gewisse Dinge können wir uns nicht aussuchen: das Wirtschaftssystem, in das wir geboren werden, zum Beispiel. Wir alle besitzen Privateigentum; wir konsumieren, konkurrieren, kommerzialisieren. Jeden Tag. – Trotzdem ist der Kapitalismus uns weiterhin fremd, er dringt von draußen in unsere kleine, gemütliche Regionalität. Kapitalismus wird in New York gemacht, in Frankfurt, in Zürich. Nicht bei uns im Wohnzimmer. Das ist eine Fehleinschätzung der Lage.

Letztendlich eine Frage des Geldes. Aus diesen Zusammenhängen kann man sich nicht lösen; wir sind ihnen aber auch nicht so ganz und gar machtlos ausgeliefert, wie wir alle leise befürchten.

Ein Abbild des allgemeinen Chaos…

Wir sehen vier Menschen, vier Lebensentwürfe – und alle fragen sich: Sind wir arm? Woher kommen eigentlich unsere Ansprüche? Spiegeln die Medien unser Leben oder den Kapitalismus – und kann man das noch unterscheiden? (Ist unser Leben etwa auch kapitalistisch?) Transportieren sie versteckte Wahrheiten? Gibt es überhaupt Wahrheit, in den Medien, in unserem Leben?

Wir sehen vier Unentwegte auf der Suche nach dem Richtigen im Falschen – und wir glauben daran, dass es das noch gibt. Zwischen Anpassung und Flucht, substanzlos naiver Medienkritik und der naiven Suche nach Substanz, egal in welchem Medium, spielen Konkurrenz, Konditionierung und die Kreditkrise ausnahmsweise einmal nicht die Hauptrolle – zumindest so weit, wie das heutzutage noch möglich ist.

Open Source – Kunst im Kollektiv

Das Konzept zu 'Upgrade your Ego.' ist nicht neu: Die Open-Source-Bewegung, die den Quellcode der gemeinschaftlich geschriebenen Software offenlegt und geistiges Eigentum nicht mit finanziellem Kapital gleichsetzt, hat uns das Betriebssystem Linux und den Internetbrowser Firefox beschert – und die Bewegung pflanzt sich fort in Form von Wikipedia und CopyLeft. Was also wäre angebrachter, als auch das Theater aus gedanklichen Zusammenhängen des elitären Abendvergnügens, des Geniekultes und der strengen Hierarchien zu befreien und den eigentlich Angesprochenen, den Zuschauern, eine Sprache zu geben?

Erfahrungen mit dem Kapitalismus hat jeder schon gemacht. Der erste Besuch im Westen 1989, der erste wegrationalisierte Arbeitsplatz, die an Geldsorgen gescheiterte Liebe, das Dilemma 'Kinder oder Karriere' – aber auch die große Zufriedenheit angesichts der abbezahlten Hypothek, die erfüllende Karriere oder die Freiheit, im Dezember Erdbeeren zu essen: Geschichten, so banal wie programmatisch wie unser Leben, an denen sich der Entwicklungsstand unserer Gesellschaft messen lässt. Im 'Upgrade your Ego'-Wiki (URL: http://opensource.die-buehne.net) kann jeder erzählen, kommentieren und diskutieren. Und sich im Theater, ein Stück weit, wiederfinden.

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2 Kommentare » Kommentar schreiben

julia behpunkt am 23.11.2008. um 18:04 Uhr

hej bühne!

ich würde ja traumhaft gerne bilder von upgrade your ego sehen! könnt ihr das nicht ändern? fühl mich eh so abgeschieden vom ganzen trubel, der an der bühne abgeht.

habe mit erstaunen festgestellt, dass christoph knipst. bitte, da haben wir doch jemanden, der das ensemble mit der kamera festhalten könnte!

 

ich vermiss euch so!

beste grüße aus strasbourg,

julia

Hannah am 24.11.2008. um 19:38 Uhr

Liebe Julia

Sobald man auch mal der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bzw. dem Homepageadministrator die Pressefotos zukommen lässt, stellen wir gerne auch welche in eine Galerie und hier auf die Seite...

Ich fühle mich auch sehr abgeschieden, ici en Dresde. :-)

Gros bisous

Hannah

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