Erniedrigte und Beleidigte

(frei nach F. M. Dostojewski)

(Regie: Sebastian Börngen | Dramaturgie: Elisabeth Schaber | Darsteller: Sarah Ahlschwede, Madeleine Brandt, Sabine Hennig, Alexander Range, Josef Weitenbörner | Technik: Daniel Stahl, Miriam Vohla)

Wanja ist Schriftsteller, doch mit dem Schreiben hapert es. Seitdem er versucht, ausgeflaggte Literatur zu produzieren, will ihm einfach kein Roman mehr gelingen. Doch das soll sich nun ändern – der Clou: er will einen autobiografischen Roman schreiben, in dem er selbst gar nicht vorkommt! Fieberhaft versucht er sich in der Rekonstruktion der Ereignisse und wird nun doch ungewollt ein Teil der Geschichte.

Mehr noch, er stößt zunehmend auf Widerstand; die Figuren seines Romans wehren sich gegen die feindliche Übernahme ihrer Erzählung – immerhin hat der Autor in seinem Text doch nichts zu suchen! Während Wanja die Deutungshoheit über sein Manuskript verliert und dieses mehr und mehr anfängt, ein Eigenleben zu führen, finden sich seine schlichten Helden auf den trostlosen Straßen St. Petersburgs wieder undbegeben sich eben nicht auf die Suche nach ihrem Glück, so wie es der Schriftsteller eigentlich vorgesehen hatte…

Gelingt es Wanja, die Figuren von der Notwendigkeit seiner Autorschaft zu überzeugen oder wird er von ihnen noch mehr erniedrigt und an der Peripherie seiner eigenen Geschichte ausgesetzt?

Hamburger Abendblatt: „Die Videoprojektion, das Chaos und der Revuecharakter sind erkennbar bei René Polleschs fröhlicher Berliner Volksbühnen-Anarchie abgeschaut. Das schadet aber nicht. Die fünfköpfige Truppe der Off-Bühne rettet den Stoff in der Regie von Sebastian Börngen derart respektlos und lebendig ins Heute, dass es eine Lust ist, zuzusehen. Auch wenn Schriftsteller Wanja eine Schreibkrise hat und erleben muss, wie seine Figuren sich dreist seiner bemächtigen. Da wird um Geld gestritten, hinund wiedergeliebt, aber auch munter der sozialistische und der existenzielle Diskurs bemüht.“

Leipziger Volkszeitung (Jennifer Hochhaus): „Regisseur Sebastian Börngen setzt den tiefsinnigen Diskussionen gekonnt kuriose Details entgegen. In den 75 Minuten wimmelt es von komischen Momenten. Das sind mal die überzeichneten Mimiken der fünf ausgezeichneten Schauspieler, mal die golden-grässlichen Kostüme, mal die abstrusen Einzelheiten einer Situation. Das alles führt dazu, dass Dostojewskis Geschichte hier nicht allzu ernst genommen wird. Diese Leichtigkeit macht den Charme der Inszenierung aus.”

Ein Kommentar

  1. Oh wie toll! Ihr habt sie für die bühne begeistern können! Alle hingehen! Das ist ein wunderbar geistreicher und unterhaltsamer Theaterabend!

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