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Stücke

Die Ritter der Tafelrunde

Die Ritter sind alt geworden. Grau sind sie und müde. Und noch immer ist die große Aufgabe ungelöst, noch immer liegt der lange Weg vor ihnen. Der Gral! Der Gral! Wenn nur Lancelot käme! Lancelot, der Retter, Lancelot, der Held, Lancelot, wird kommen! An ihm hängt alles Hoffen, alle Zukunft. Und Lancelot kommt... Ein Stück vom Scheitern der Menschen, vom Sterben ihrer Ideale, und davon, wie es dennoch weitergeht.

Irgendwann geht auch dem langatmigsten aller Kämpfer die Puste aus. König Artus und seine Mannen kannten ihr Leben lang nur ein Ziel: Ihn finden, den heiligen Gral. Doch die Ritter sind alt geworden, Rüstung und Gelenke quietschen und ein erschreckender Gedanke macht sich breit: Was, wenn wir ihn nie finden? Was, wenn es den Gral gar nicht gibt. Solch ketzerische Gedanken können einem schon mal in den Sinn kommen, wenn sich das große Ziel als Hirngespinst erweist. Am Ende bleibt die unbequeme Frage nach dem Sinn, die jede Generation aufs neue für sich beantworten muss.

„Den heiligen Gral gibt es nicht - suchen wir den heiligen Gral!"

Als das Stück von Christoph Hein 1989 am Dresdner Staatsschauspiel uraufgeführt wurde, kam das einem kultur-politischen Erdbeben gleich: Mit dem Stück, das das Motiv der Tafelrunde aus der Sagenwelt um den legendären keltisch-britischen König Artus aufnimmt, rüttelte Hein an den Grundzügen der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR. Das Stück führte die Konzept- und Ideenlosigkeit eines schon geschwächten Machtapparates vor. Längst fragten die meisten nicht mehr, ob man die Suche nach dem Gral aufgeben sollte, sondern nur noch wann.

Doch ohne Gral lässt es sich bekanntlich auch schlecht leben. Selbst wenn der Verlust an ideologischem Überbau zuerst als Befreiung erlebt wurde, stellt sich inzwischen unter veränderten politischen Vorzeichen für viele die Sinnfrage erneut. Fragte man sich damals, ob man in die richtige Richtung ging, so muss man heute fragen, ob wir überhaupt noch eine Richtung haben. Wer keine Utopie mehr verfolgt, der kann auch nicht an ihr scheitern? Oder doch? 

Die Inszenierung wird gefördert durch die Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e.V.