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Stücke

Frische Ritterröstung trotzt Neuzeit

SAX, Dezember 2007, von Andreas Herrmann

Christoph Heins "Die Ritter der Tafelrunde" an der TU-Bühne

Die Freizeitrevolution wurde diesen Herbst volljährig, nur deren Kinder entgleiten der Gesellschaft: Als Christoph Heins Elegie "Die Ritter der Tafelrunde" – 1989 zur Uraufführung heißer Zündstoff und bis zum Umbau des kleinen Hauses ein Dauerbrenner am passendsten Uraufführungsort der DDR-Welt &ndasch; in die Ritzen der Wortgesellschaft kroch und dessen Schweißnähte kalt löste, war die Westwelt zwar geläufig, aber weitweitweg. Nun sind zwar alle Kanäle voll und viele bunt, aber Hein längst nicht obsolet – denn ob Bank-, Bahn- oder Familienvorstände alter Art: Kantig-überlebte Runden tafeln allerorten. Und so wurde es Zeit zur dezenten Reformation von Heins Ode, um an einen kurzen Hauch der Geschichte zu erinnern, der vielen das Heimatland nahm. Altvorderen der TU-Studentenbühne &ndasch; inzwischen als Fotograf, Diplompsychologe, zumeist aber als richtiger Ingenieur im wahren Leben angekommen, aber stetig im privaten Kontakt &ndasch; war es vorbehalten, das metaphernstrotzende Drama von den gralssuchenden Exheroen um Lancelot (Christian Sparka), Artus (Peter Börke) und Parzival (Ingo Röder), ihren mehr oder minder gelangweilt-unterbefriedigten Gespielinnen Ginevra (Ance Sparka), Jeschute (Else Sobe) und Kunneware (Antje Huschenbett) sowie dem lustlosen Thronfolger (herrlich heutig-infantil Mathias Mohr), welcher die Machtadepten Keie (Maik Mahr) und Orilius (Hagen König) hörnend zur Weißglut bringt, wiederzubeleben.

Sicher hätte man im 21. Jahrhundert die Ritter zu umweltlichen Rittern oder zu vergeistigten Nerds mutieren lassen können, aber das war nicht das Ansinnen: Regissuer Klaus-Peter Fischer, Mitte der neunziger "bühne"-Leiter, vertraut dem Text und seinen neun Altkadern, lässt sich und ihnen Zeit, baut Spannungen auf und ab und inszeniert die Vier-Fünftel-Strichfassung als galanten Spagat zwischen den Zeiten. Mitsamt der mystischen und menschlichen Tief, ganz nah an den Schnittstellen zwischen Ideologie und Fanatismu, zwischen Fortschrittsglauben und egozentrischer Glücksfixierung, zwischen Auf- und Zusammenbruch. Ein fulminanter Stahltisch von Bühnenbildner Ronald Scheurich &ndasch; als schräge, klangvolle Schrottebene eigentlich Spielecke für zwölf Ritter und einen Heiland gedacht &ndasch; wird zur Spirale ins Nirvana. Christoph Hein dürfte sich freuen über die stimmige Traurigkeit, die heute so nah und damals ganz schnell so fern schien. Und darüber, dass die aufwändige und gründliche Produktion von er- und damit entwachsenen Rittern im Frühjahr hinaus und an andere Orte streben will. Das lohnt sich anzusehen, selbst generationsübergreifend.


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