Papalagi Panoptikum

Eine Text/Musik/Bild- Performance der Theaterscheune Teutleben

Vergangenheit und Zukunft sind zwei Straßen, die sich in der Gegenwart kreuzen. Mitten auf der Kreuzung stehen ein Schauspieler, eine bildende Künstlerin und eine Band, die sich eines vorgenommen haben: auf unterhaltsame Weise Kritik an den Werten und Normen des modernen Lebens zu üben. 

Der zeitgenössische Prosatext „walk like wilco" und das als Hippie-Bibel bekannte neunzigjährige Buch „Der Papalagi - die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea" von Erich Scheuermann bilden die Grundlage dieser multimedialen Lese-Performance, die ein kurioses und bizarres Bild der westlichen Gesellschaft entwirft. Eingebettet in assoziative Bildprojektionen und die Musik der Band Waits4Devil, die von atmosphärischem HipHop bis zu derbem Rocksound reicht, bietet das einstündige Programm eine Kulturkritik, die zwischen naiver Verwunderung und zynischer Abgeklärtheit changiert.

Text: Erich Scheurmann, Bastian Winkler und Annegret Bauer
Textarrangement/Regie: Annegret Bauer
Musik: Waits4Devil (Ralf Siedhoff, Holger Uthe, Tom und Michael Semper)
Spiel: Johannes Geisser 
Projektionen: Kerstin Perschke

Weitere Informationen bei der Theaterscheune Teutleben.

Zu den Texten

Erich Scheurmann: „Der Papalagi - Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea"

Mit Hilfe eines Vorschusses seines Verlegers fuhr der Schriftsteller, Maler und Dramatiker Erich Scheurmann 1914 nach Samoa, eine Inselgruppe im Südpazifik, die zu der Zeit deutsche Kolonie war. Sechs Jahre später gibt er, ursprünglich als Herausgeber, in dem Band „Der Papalagi" die Reden des samoanischen Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea heraus, der nach seiner Rückkehr von einer Europareise seinen Stammesgenossen über die exotische und fremde westliche Welt berichtet. Das Buch der „Papalagi" galt damals als authentische Zivilisationskritik und wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen 1920 zu einem Bestseller. Im Zuge der 68er-Bewegung erlebte es ein Revival der besonderen Art, wurde 1977 neu aufgelegt und bis 1981 über 300.000 Mal verkauft. Die humorvolle, aber auch nachdenklich stimmende Kritik an der westlichen Zivilisation, wurde zu einer Art ‚Heiligen Schrift' der Hippibewegung, zum Kultbuch für alle zivilisationskritischen Europäer, obgleich Scheuermann längst zugegeben hatte, der wahre Autor der Reden zu sein. Inzwischen wurde es in zahlreiche Sprachen übersetzt und erreichte eine Auflage von 1,7 Millionen Exemplaren.

Bastian Winkler: „Walk like Wilco"

1977 in Wunstorf bei Hannover geboren, begann Bastian Winkler schon früh sich für moderne und experimentelle Literatur, speziell zeitgenössische Lyrik, zu begeistern. Nach dem abgeschlossenen Diplomstudiengang „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus", den er an der Universität Hildesheim absolvierte, lebt er derzeit als Autor und Lyriker in Berlin. Für die Leseperformance „Papalagi Panoptikum" verfaßte er, gemeinsam mit der Regisseurin Annegret Bauer den Prosatext „Walk like Wilco", der mit den Texten Scheurmanns verschnitten wird.

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